B i g g e r T h a n U s ist eine Gegenüberstellung der beiden dominanten Jugendkulturen unserer Zeit, Teckno und Hip Hop. Beide Bewegungen haben als Subkulturen begonnen und bewegen sich nun auf einer steilen Gradwanderung zwischen Ausverkauf und Glaubwürdigkeit.

Inwieweit Jugendkulturen in der Lage sind, gesellschaftliche Standards zu beeinflussen, ist ein vieldiskutiertes Thema. Bigger Than Us untersucht diese und andere Fragen wie die Vereinnahmung von Jugendkulturen durch kommerzielle Unternehmen, die Homophobie im Hip Hop, den "Ausverkauf" der Musik durch grosse Plattenlabels, die Stellung der Frauen in der jeweiligen Musik-Subkultur und die Gültigkeit der ursprünglichen Ideale beider Bewegungen heute. Die einzelnen Themenkomplexe werden abwechselnd aus den unterschiedlichen Perspektiven der beiden Stile beleuchtet und von Vertretern der Szene kommentiert.

Nicht nur Genre-Ikonen wie der legendäre Rapper und Breakdancer ("New York City Breakers") Percee P kommen zu Wort, sondern auch junge Fans, die die Musik erst nach dem dritten Generationenwechsel kennen gelernt haben. Für einen schnelllebigen Stil wie Hip Hop ist das eine lange Zeit, in der sich vieles gewandelt hat. Mittlerweile geht es um "Big Money", das grosse Geld, was einzelne Beteiligte zu kontroversen Statements veranlasst. So z.B. Sadat X, der sich über Oldschool-Rapper lustig macht, die zwar als "Erfinder" von Hip Hop gelten, aber dabei meist leer ausgehen. Sadat X: "If you wanna blame somebody, blame your parents for having you too soon!"

Die Feststellung "today you sell joghurt with dejays - and dejays with joghurt" von Plastique de Rêve, einem Vertreter der elektronischen Musik, lässt neben Spott über die Vermarktungsstrategien von Nahrungsmittelunternehmen auch eine gewisse Resignation durchblicken. Voller Enthusiasmus sind dagegen viele der jüngeren Interviewpartner wie der Raver im Teenageralter, der inmitten von Tausenden anderen Ravern an der Zürcher Street Parade trotzdem voller Selbstbewusstsein feststellt: "Dass ich anders bin, da bin ich wirklich stolz drauf!"

Nach solchen Statements kommt man nicht umhin, sich zu fragen, inwiefern Jugendkulturen noch als Mittel der Distinktion taugen. Eines scheint am Ende des Films jedoch festzustehen: Die Debatte um den "Sell out" hat innerhalb der Massen-Jugendkulturen an Bedeutung verloren. Hip Hop ist die Pop Musik des 21. Jahrhunderts geworden und das Ideal von Teckno mit dem DJ als Dienstleister und nicht als Star hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Alex von den Chicks On Speed meint dazu lakonisch: "Wir sind eine Pop Band. Wir verkaufen uns!" und lässt das Lied "Sell out" passend mit den Zeilen beginnen: "Exploit yourself just sellout, cash cards, just sellout / Do it to yourself before its done to you".